Helferkreis Asyl Engen
Helferkreis Asyl Engen

Die Flucht von  Mohammad Abdo, 22 Jahre von Syrien (Aleppo) nach Deutschland

 

Es waren die Toten vor unserer Haustüre und die Bomben, weswegen wir flohen. Es war der Tag, als direkt neben unserem Haus ein Kiosk mitsamt Kioskbesitzer von einer Bombe zerfetzt wurde. Es war der Tag, als in einem Schulranzen bei unserer Schule eine Bombe gefunden wurde. Es war der Tag, als neben uns eine Frau mit ihrem Kind erschossen wurde. Es waren diese Tage, die uns zu der Entscheidung brachte, unsere geliebte Heimat zu verlassen und uns in Sicherheit zu bringen. Wir fragten uns, wo die "friedliche Revolution" geblieben war. Islamische Staaten finanzieren den Aufstand gegen Assad  und die Türkei hält die Grenzen offen für kampfbereite Islamisten So wurde "der Tisch gedeckt" für die IS.

 

Das syrische Regime beteiligte sich an diesem zerstörerischen Werk, indem sie die "Hisbollah" aus dem Li-banon und Kämpfer aus dem Irak und Iran importierte. Gemeinsam begannen sie in Syrien ihr Zerstör-ungswerk. In Syrien gibt es viele ethnische Gruppen, Nationalitäten und Religionen. Wir lebten würdevoll nebeneinander. Es gab keinen Unterschied zwischen einem Muslim, Christen, Drusen, Assyrer oder einem Turkmenen. Unterschiede wurden nur immer gemacht zwischen Arabern und Kurden. Die kurdische Spra-che ist verboten, kurdische Feiertage werden nicht gefeiert, die kurdische Flagge ist nicht erlaubt. Diese Unterdrückung führte zur kurdischen Konzentration im Norden. Dort bildete sich die kurdische YPG, um ihre Gebiete vor dem syrischen Regime und der syrischen Opposition und der IS zu schützen.

 

Spät im Jahr 2012 verließen wir Aleppo. Wir fuhren nach Afrin, 60 Kilometer von Aleppo entfernt, die Stadt meiner Eltern und Großeltern. Zu Beginn des Jahres 2013 floh ich mit meinem älteren Bruder in die Türkei, weil wir aufgefordert wurden in diesem Krieg mit zu kämpfen. Die Grenze zur Türkei liegt nicht weit von Afrin entfernt. Als wir über die Grenze wollten und die türkische Armee uns beschoss, sprang ich in einen Graben mit Stacheldraht und konnte mich nicht befreien. Ich forderte meinen Bruder auf, sich zu retten, aber er weigerte sich und blieb bei mir. Die türkische Armee schlug und beschimpfte uns aufs Heftigste und nach acht Stunden brachten sie uns zurück nach Syrien.

 

Wir wagten einen neuen Versuch und bezahlten diesmal einen Schlepper. Er brachte uns an einen Ort an der syrisch türkischen Grenze. Hier sahen wir viele Fahrzeuge, voll mit Holzkisten, Waffen und militärische Ausrüstung, die aus der Türkei nach Syrien verbracht wurden. In Istanbul arbeiteten wir in einer Textilfabrik. In dieser Fabrik wurden die Arbeiter ausgebeutet. Für wenig Geld arbeiteten wir 12 Stunden am Tag. Oft machte ich noch 3 Überstunden, ohne Bezahlung, auch am Sonntag. Es gab nur noch Arbeiten, Essen und Schlafen. Meine Familie kam nach in die Türkei und auch sie arbeiteten in der Textilfabrik. Meine kleine Schwester war damals 15 Jahre alt und arbeitete mehr als 12 Stunden am Tag.

 

Wir blieben fast 3 Jahre und stellten fest, dass die Situation für Kurden auch nicht besser war. Wir wurden schlecht behandelt und so reifte der Beschluss nach Deutschland zu fliehen. Mein älterer Bruder floh mit dem Boot schon 2014 nach Deutschland. Meine Mutter, meine kleine Schwester und ich flohen im August 2015 mit einem Schlauchboot von Izmir nach Griechenland. Wir hatten nicht genug Geld zusammen gespart für alle Familienmitglieder und so blieben mein Vater und mein jüngerer Bruder in der Türkei. Wir nahmen ein Schlauchboot und landeten auf der Insel Samos. Nach 3 Tagen wurden wir nach Athen gebracht. Von Thessaloniki fuhren wir bis zur mazedonischen Grenze. Dort warteten wir 12 Stunden. Mit großem Glück konnten wir die Grenze überwinden und liefen zu Fuß nach Serbien und fuhren den restlichen Weg nach Ungarn mit einem Bus. Auf dem Fußmarsch nach Österreich griff uns die ungarische Polizei auf und zwang uns zur Abgabe eines Asylantrages.

 

Die Behandlung hier war sehr, sehr schlecht. Nach diesem Verfahren und weiteren 4 Tagen in Polizeige-wahrsam kamen wir nach Budapest. Diese Stadt ist ein Zentrum für Menschenschmuggler. Auch wir engagierten einen Schlepper für 500,- € pro Person. Wir hatten große Angst. Nach 6 Stunden Autofahrt durch Ungarn und Österreich und lange Zeit des Ungewissens, kamen wir in Passau an. Dort empfing uns die deutsche Polizei mit freundlichen Gesichtern. Wir durchliefen das erforderliche Verfahren und landeten in einem Asylheim in Meßstetten und von dort nach Engen. Nach 9 Monaten konnten wir Vater und den jüngeren Bruder nach Deutschland nachholen und sind nun wieder vereint.

 

Mohammad Abdo unterstützt durch

Lara Baumgärtel und Karl-Heinz Hertenstein vom Helferkreis Engen

 

 

Die glücklich wiedervereinte Familie Abdo

Helferkreis Asyl Engen

Sie erreichen uns direkt per e-mail:

orga@helferkreis-asyl-engen.de

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Helferkreis Asyl Engen